Minerva
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| Inventar Nr.:
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KP B XVI. Tab. B-V-1 |
| Bezeichnung:
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Minerva |
| Künstler / Hersteller:
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Christoph Labhardt (1644 - 1695)
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| Datierung:
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um 1690; 17. Jh., Fassung |
| Objektgruppe:
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Gemme / Kamee |
| Geogr. Bezug:
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Kassel |
| Material / Technik:
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auf eine transluzide hellgrau-weiße Achatplatte geklebt |
| Maße:
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5 x 4,11 x 1,48 cm (Objektmaß) mit Fassung und Öse 6,17 x 4,31 cm (Objektmaß)
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Beschriftungen:
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Signatur: am unteren Rand der Grundplatte: "C(hristoph).L(abhart).f(ecit)." (eingraviert); Aufkleber: rückseitig Aufkleber (Typ C): "645";
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Katalogtext:
Da der Steinschneider Christoph Labhart selten signiert hat, ist dieser große Kameo von besonderer Bedeutung. Das an unauffälliger Stelle mit dem Monogramm des Künstlers versehene Stück zeigt ein Brustbild der Pallas Athena en face, mit einem aus Straußenfedern geschmückten Helm. Labharts charakteristisch leicht überlängte Figuren, deutlich bei seiner Edelsteintafel im Grünen Gewölbe in Dresden (Schnackenburg-Praël 1999, S. 894, Abb. 1), tritt auch bei diesem Commesso deutlich hervor. Der gedehnte Hals und der Kopf sind nach links zurückgewendet. Auch der auffallend schmale Gesichtstypus stimmt mit der Dresdener Tafel überein. Die Pupillen sind großflächig angebohrt, die Nase etwas spitz.
Die buntfarbige Kamee ist in Commessotechnik gearbeitet. Labhart verwendete die verschiedenen Steinarten mit größter Sicherheit. Er bearbeitete sie einzeln in Relieftechnik und befestigte sie auf einer gemeinsamen Grundplatte. Das Gesicht und der Hals sind aus orangefarbenem Karneol. Der Helmansatz ist aus hellblauem Topas, die buschig abstehenden Helmfedern bestehen aus aubergine-, weiß-, citrin- und heliotropfarbenen Einzelteilen. Das gefältelte Gewandstück entspricht ungefähr der Auberginefarbigkeit der beiden großen Helmfedern oberhalb des Kopfes und rundet die Komposition farblich ab.
Das Commesso-Ensemble ist insgesamt auf einem neutralen hellgrau-weißen Hintergrund befestigt.
Christel Lentz (Lentz 1997, S. 128, Anm. 118) hat ein Reliefmedaillon (Schloß Rosenborg, Kopenhagen, Inv.Nr. 6.174) mit der Darstellung des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel als Feldherr dem Hofkünstler Christoph Labhart zugeschrieben. In der Tat ist die Commesso-Arbeit vergleichbar, vor allem die Straußenfedern von Minervas Kopfbedeckung mit dem als Attribut danebengelegten Helmfedernschmuck des Landgrafen.
In Völkels Steininventar von 1791 ist bei der Beschreibung der Pallas-Büste von sechs Perlen am Halse die Rede. Der Text "Am Hals sind 6 Perlen" ist mit rotem Stift durchgestrichen. Ob es sich um einen Schreibfehler oder um einen Verlust des ehemaligen Halsschmucks handelt, läßt sich nicht mehr klären.
Stand: April 2006
Inventare:
- Vorliegendes Inventar der Gemmen des Museums zu Cassel wurde nach vollzogener Umordnung sämtlicher Gemmen von mir aufgestellt und abgeschlossen im Mai dieses Jahres., Nr. B. Tab. V. 1.
- Verzeichniß der geschnittenen Steine. (verfertigt von L. Voelkel 1791.) SMK, Archiv HLM., Nr. Tab. XXI. 1.
- Verzeichniß der im Pretiosen Schrank befindlichen Gegenstände. / In dem folgenden Verzeichniße sind alle Gegenstände beschrieben, die sich gegenwärtig (1827) im Pretiosen Schrank befinden. [...] Dr. Völkel. SMK, Archiv HLM. 1827, Nr. B II. 645.
- Verzeichniß der aus der Gemmen=Sammlung in den Preziosenschrank versetzten geschnittenen Steine und Muscheln, die unterstrichenen sind nicht gefaßt, Cassel, den 19. April 1881. A. Lenz. SMK, Archiv HLM. 1881, Nr. II. 645.
Literatur:
- Meyer, Klaus-Heinrich: Studien zum Steinschnitt des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Werkstatt am Hofe von Hessen-Kassel in den Jahren 1680–1730. Hamburg 1973, S. 120-121, Abbildung S. Taf. 16,1 und 17,1-3, Kat.Nr. G-1.
- Link, Eva-Maria: Die Landgräfliche Kunstkammer Kassel. In: Jahresgabe der Hessischen Brandversicherungsanstalt für 1975 (1974), S, Abbildung S. Taf. 27.
- Schmidberger, Ekkehard: Edelsteinschnitt des Barock - Die Künstler am hessischen Landgrafenhof. In: Kunst & Antiquitäten (1986), S. 40-51, S. 45, Abbildung S. Abb. 9.
- Christel Lentz: Der Glas- und Bergkristallschneider Christoph Labhart und seine künstlerische Tätigkeit am Idsteiner Hof von 1671 bis 1679. In: Nassauische Annalen 108. 1997, S. 128, Kat.Nr. Anm. 118.
- Schnackenburg-Prael, Heidi: Die Edelsteintafel im Grünen Gewölbe. In: Weltkunst Bd. 69 (1999), S. 894-897, S. 896-897, Abbildung S. Abb. 5.
- Schnackenburg-Prael, Heidi: Bestandskatalog der nachantiken Kameen in der Sammlung Angewandte Kunst der Staatlichen Museen Kassel (Online-Kataloge der Staatlichen Museen Kassel). Kassel 2006, Kat.Nr. B XVI. Tab. B-V-1.
- Bungarten, Gisela [Hrsg.]: Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 329-331, Abbildung S. 329, Kat.Nr. VII.51.
Letzte Aktualisierung: 17.03.2026